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Prolog – Der Erzähler

Der Weg des Lichts

Prolog – Der Erzähler

1 Min 2025-11-07

Manchmal, wenn es draußen still wird, gehe ich in Gedanken zurück – nicht in Städte, nicht in Erfolge oder Verluste, sondern auf eine kleine Anhöhe in der Pfalz. Dorthin, wo alles angefangen hat. Herschberg.

Wenn ich die Augen schließe, rieche ich wieder das Heu hinter dem Haus, höre das Gackern der Hühner und das Quietschen der alten Tür, die ich als Kind nie leise bekam – egal, wie sehr ich’s versucht hab.

„Mensch, Christian, die Tür quietscht net – sie redt mit dir!“
– Oma Olga

Ich glaub, sie hatte recht. Türen können reden, wenn man alt genug ist, um zuzuhören.


Ich erinnere mich an das Haus, den Windfang aus Holz und Glas, den Liebstöckelbaum vorne an der Wiese – und an das Gefühl, dass das Leben irgendwie schon da war, bevor man es verstand.

Es war kein einfaches Leben – aber echt. Und echt ist mir bis heute lieber als perfekt.

„Das Licht versteht man erst, wenn man weiß, woher der Schatten kommt.“

Ich erzähl euch das nicht, weil ich will, dass man Mitleid hat, oder weil ich ein Buch schreiben muss. Ich erzähl’s, weil ich glaube, dass man das Licht nur versteht, wenn man den Schatten kennt.

Und mein Licht begann auf dieser Höhe – wo die Leute früh aufstanden, spät lachten und ehrlich fluchten.


Also – macht’s euch bequem. Ich nehm euch mit dorthin, wo es nach Holz, Suppe und Sonntagsglocken roch. Wo Liebe sich in einem Tanzsaal fand. Und wo ein kleiner Junge zum ersten Mal verstand, dass Leben nicht fair sein muss, um schön zu sein.

Hier beginnt meine Geschichte.
Hier beginnt der Weg des Lichts.